Austria Wien scheitert erneut in der Conference-League-Qualifikation Auch strukturelle Probleme treten offen zutage
Das Aus gegen Banik Ostrava in der Conference-League-Qualifikation hat bei der Wiener Austria nicht nur sportlich, sondern auch finanziell tiefe Spuren hinterlassen. Zum dritten Mal in Folge verpassten die Veilchen den Einzug in eine europäischen Gruppenphase – ein Ziel, das angesichts der angespannten Klubkasse mehr als nur Prestige bedeutet hätte. Die „Looser League“, wie manche Spitzenklub-Trainer den Bewerb abfällig nennen, bleibt damit für die Favoritner ein unüberwindbares Hindernis.
Die Liste der Enttäuschungen ist mittlerweile lang: Legia Warschau (2023), Ilves Tampere (2024) und nun Ostrava (2025) – jeweils endete der Europacup-Traum früh. Besonders bitter: Die Tschechen präsentierten sich keineswegs als Übermacht. Defensiv stand die Austria diesmal zwar solide, doch in der Offensive fehlte es erneut an Durchschlagskraft. Torschütze Philipp Wiesinger brachte es auf den Punkt: „Nach solchen Spielen muss man zusammenrücken. Dann kommen wir auch wieder gemeinsam raus aus der Scheiße.“
Doch die Probleme sind nicht nur auf dem Rasen zu suchen. Innerhalb des Vereins scheint es an klaren Strukturen und einer einheitlichen Strategie zu mangeln. Zwischen Präsident, Sportdirektor, Aufsichtsrat, Verwaltungsrat und Kuratorium existieren zu viele unterschiedliche Meinungen und Eitelkeiten, um geschlossen in eine sportliche Richtung zu arbeiten. Eine klar definierte Hierarchie wäre dringend nötig, um ambitionierte Ziele nicht nur zu formulieren, sondern auch zu erreichen.
Nach dem enttäuschenden 1:1 im Rückspiel gegen Ostrava trat Aleksandar Dragovic im Anzug als Vermittler zwischen Fans und Mannschaft auf – eine Rolle, die symptomatisch für die Lage wirkt. Sportdirektor Manuel Ortlechner wiederum reagierte verschnupft, als Fragen zur Zukunft von Trainer Stephan Helm aufkamen: „Die Frage verstehe ich wirklich überhaupt nicht.“ Für Ortlechner ist die aktuelle Krise mehr eine Frage der Ergebnisse als der Leistungen: „Die gute Arbeit der letzten Saison wird weitergeführt, aber die Ergebnisse passen gerade nicht.“
Sportlich bedeutet das frühe Aus in Europa nach dem Cup-Debakel gegen Voitsberg und nur einem Punkt aus den ersten beiden Bundesligapartien einen Fehlstart. Nun gilt es, schnellstmöglich in der Liga Tritt zu fassen – am Sonntag wartet das Kellerduell gegen den punktlosen LASK.
Trotz Krise: Hoffnung bleibt
So ernüchternd die Situation derzeit wirkt, hat Austria Wien in den letzten Jahren mehrfach bewiesen, dass sie aus schwierigen Phasen gestärkt hervorgehen können. Der Kader verfügt über Qualität, die Fans stehen treu hinter dem Team, und der Verein besitzt nach wie vor eine der stärksten Nachwuchsabteilungen des Landes. Gelingt es, die internen Reibungen zu minimieren und eine klare sportliche Linie zu verfolgen, kann die Austria nicht nur aus der aktuellen Misere herausfinden, sondern auch mittelfristig wieder Anschluss an die nationale Spitze finden.
- Stephan Helm steht in der Kritik.
- Dragovic holte die Mannschaft zurück.
- Alexander Dragovic vermittelte zwischen Mannschaft und den Fans.



